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Naturschutzgebiet Warscheneck in Gefahr

veröffentlicht um 22.06.2015, 03:11 von Andreas Riegler
---- Umweltdachverband, Naturfreunde Österreich und Österreichischer Alpenverein fordern: 
Nationalpark Warscheneck statt 100 Millionen-Tunnel!

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Warscheneck, 05.06.2015
Die geplante Skiverbindung Höss – Wurzeralm treibt Natur- und UmweltschützerInnen auf die Barrikaden: 
Obwohl nicht nur die Schönheit eines Natur- und Bergparadieses, sondern auch Gesetze, Klimaprognosen, 
Wirtschaftlichkeitsberechnungen und demographische Entwicklung dagegen sprechen, 
arbeitet die Seilbahnlobby weiter an der geplanten unterirdischen Stollenbahn zwischen Schafferteich und Frauenkar, 
um die beiden Skigebiete Hinterstoder-Höss und Wurzeralm zu verbinden. 
Zusätzlich sollen sechs Seilbahnen zur Steyrsbergreith und zur Schmidleitenreith 
sowie Parkplätze, Speicherteiche, Straßen und sonstige Infrastrukturanlagen gebaut werden – 
und das in einem der hochwertigsten und schönsten Naturgebiete Österreichs!

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Bergparadies und Hotspot der Arten- und Lebensraumvielfalt muss erhalten bleiben

„Das Warscheneck gehört zu den landschaftlich schönsten Bereichen der oberösterreichischen Kalkalpen, ist eine der bedeutendsten Karstlandschaften Europas und außerdem Ursprung der größten Karstquelle Österreichs. Es beherbergt zudem den größten geschlossenen und nie forstlich genutzten Lärchen-Zirbenwald der Alpen und die höchstgelegenen intakten „lebenden“ Hochmoore der Nordalpen. Das Bergparadies ist zudem mit seinem Endemiten-Reichtum, den naturnahen Bergwäldern, alpinen Rasen und Karsthochflächen ein Hotspot der Arten- und Lebensraumvielfalt. Und: Das Warscheneck zeichnet sich durch einen höheren Totholzanteil als der Nationalpark Kalkalpen aus, was ein wichtiger Naturschutz-Indikator ist. Zudem ist der unter strengem Naturschutz stehende Kalkstock Planungs- bzw. Erweiterungsgebiet des Nationalparks Kalkalpen“, erklärt Franz Maier, ehrenamtlicher Präsident des Umweltdachverbandes.

 

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Erweiterung des Nationalparks Kalkalpen um das Warscheneck – wann, wenn nicht jetzt?!

Wesentliche Teile des Warscheneck-Gebietes sind seit Jahren auch als Naturschutzgebiet geschützt. Und vollkommen zu Recht sieht das oberösterreichische Nationalparkgesetz auch eine Einbeziehung des Warschenecks in den Nationalpark Kalkalpen vor, sobald der Nationalpark im Reichraminger Hintergebirge und im Sengsengebirge „tatsächlich betrieben wird“, wie es in § 1 Absatz 2 heißt. 18 Jahre nach Gründung des Nationalparks kann darüber, ob der Nationalpark Kalkalpen tatsächlich betrieben wird, kein Zweifel mehr bestehen. „Wir fordern von den politisch Verantwortlichen im Bundesland Oberösterreich daher überhaupt nichts Besonderes. Wir verlangen die Einhaltung und Umsetzung des Nationalpark OÖ Kalkalpen-Gesetzes. Wir fordern die Erweiterung des Nationalparks Kalkalpen um das Warscheneck statt der Zerstörung dieses Natur- und Bergparadieses durch ein riskantes und extrem teures Stollenprojekt. Wann, wenn nicht jetzt?!“, postulieren Umweltdachverband, Naturfreunde und Alpenverein unisono.

 

Tunnelprojekt ist aus ökologischen und ökonomischen Gründen abzulehnen

„Mit dem Pauschalargument, man müsse doch in die Zukunft der Region investieren, sollen unsere Schutzgebiete Schritt für Schritt ausgehöhlt werden – im Fall des Warschenecks im wahrsten Sinne des Wortes. Die Tunnelverbindung und die damit einhergehenden Eingriffe sind keine zukunftsträchtige Investition, im Gegenteil: Sie schädigen ein bewusst unter Schutz gestelltes Naturjuwel dauerhaft“, sagt Robert Renzler, Generalsekretär des Österreichischen Alpenvereins. Der geplante Zusammenschluss ist nicht nur aus ökologischen, sondern auch aus ökonomischen Gründen strikt abzulehnen. „Das Tunnelprojekt ist wirtschaftlich nicht darstellbar und würde dauerhaft am Tropf der SteuerzahlerInnen hängen. Es entspringt einem rückwärtsgewandten Machbarkeitswahn, der irrigerweise glaubt, sein Heil im Wettrüsten mit westösterreichischen Skigebieten zu finden. Und gleichzeitig verkennt, welche unwiederbringlichen Werte dadurch zerstört werden. Die Pyhrn-Priel-Region würde ein Alleinstellungsmerkmal als Nationalpark- und Natur-Region verlieren“, ergänzt Maier.

 

Rasche Modernisierung der Wurzeralm – innovative Ideen & sanfter Tourismus gefragt

Die Naturfreunde Österreich sprechen sich klar für den Erhalt und den Ausbau des Skigebietes Wurzeralm aus. Wenn die vorhandene – in die Jahre gekommene – Infrastruktur modernisiert wird, kann die Wurzeralm zu einem attraktiven Familien- und Kinderskigebiet ausgebaut werden. Die Wurzeralm ist von enormer wirtschaftlicher Bedeutung für die Region und darf deshalb nicht wie in der Vergangenheit nur halbherzig am Leben erhalten werden. 

Mit innovativen Ideen und einer Entwicklung in Richtung Ganzjahrestourismus – unter Berücksichtigung der alpinen Freizeit- und Sportaktivitäten wie Wandern, Klettern, Klettersteiggehen und Mountainbiken – kann das Gebiet speziell für Familien in Richtung sanfter Tourismus zu einem gesamtheitlichen Natur- und Bergerlebnis weiterentwickelt werden.

Andreas Schieder, Vorsitzender der Naturfreunde Österreich, fordert daher eine „rasche Modernisierung der Wurzeralm bevor intakte Naturräume für unsinnige und völlig den Klimawandel ignorierende Projekte geopfert werden“. Die Vorsitzende der Naturfreunde Oberösterreich, Gerda Weichsler-Hauer, verlangt zudem den Ausbau der Wurzeralm in Richtung eines Skitourenkompetenzzentrums, denn damit würde diesem extrem boomenden Segment des Wintersportes die notwendige Aufmerksamkeit erteilt werden. „Oberstes Ziel muss es sein, mit einem zukunftsorientierten Ausbau ein einmaliges, schneesicheres Familienskigebiet und führendes Schitourenkompetenzzentrum in Oberösterreich zu schaffen, um damit die Wettbewerbsfähigkeit und Existenz der Wurzeralm zu sichern“, so Weichsler-Hauer.

 

Appell an Politik: Klare Absage an das Tunnelprojekt noch vor der OÖ Landtagswahl

Umweltdachverband, Naturfreunde Österreich und Österreichischer Alpenverein fordern einen sofortigen Planungstopp und von der Politik noch vor der OÖ Landtagswahl eine klare und unmissverständliche Absage des Stollenprojekts. „Es dürfen keine weiteren öffentlichen Mittel in sinnlose naturzerstörerische „Machbarkeitsstudien“ und fehlgeleitete Planungen gesteckt werden. Die Genehmigung einer Neuerschließung am Warscheneck – in welcher Variante auch immer – und Opferung dieses streng geschützten Kalkstocks für die Seilbahnwirtschaft und den alpinen Skitourismus käme einer Bankrotterklärung des Naturschutzes gleich. Dies würde die Bedeutung verordneter Schutzgebiete konterkarieren und könnte eine gefährliche Signalwirkung für den Alpenraum zur Folge haben! Für das Warscheneck muss es heißen – Nein zu naturzerstörerischen neuen Projekten und JA zur gesetzlich geforderten Nationalpark-Erweiterung!“, so Umweltdachverband, Naturfreunde und Alpenverein abschließend.

 

 

Rückfragehinweise:

Präsident Umweltdachverband (UWD), Franz Maier, Tel. 0664/4242756

Öffentlichkeitsarbeit UWD, Sylvia Steinbauer, Tel. 01/40113-21, E-Mail: sylvia.steinbauer@umweltdachverband.at

Naturfreunde Österreich, Regina Hrbek, Tel. 01/892 35 34-16, E-Mail: Regina.Hrbek@naturfreunde.at

Österreichischer Alpenverein (ÖAV) – Öffentlichkeitsarbeit, Tel. 0512/59547-11, E-Mail: presse@alpenverein.at


QUELLE: http://oberoesterreich.naturfreunde.at/Berichte/detail/38088/?piwik_campaign=1884-infoverans&nl=1884-68691

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